CDU Ratsfraktion- Mitteilungen
28.03.2017 14:49
Inklusion in der Schule - Anspruch und Wirklichkeit

„Inklusion in der Schule – Anspruch und Wirklichkeit“, zu diesem Thema hatte die CDU-Ratsfraktion in der letzten Woche zu einer öffentlichen Fraktionssitzung eingeladen.
Engagiert diskutierten der Leiter der Schiller-Schule Hans-Georg Rinke und seine Koordinatorin für den Bereich Inklusion, Frau Gabriela Tornow, Frau Christel Blum-Gaytandjiev vom Verband Bildung und Erziehung, Marcus Stawars, CDU-Mitglied in der kommunalen Inklusionskonferenz, Herr Sybrecht und Frau Stapenhorst, beide Eltern der Christopherus-Schule, mit dem Schulpolitischen Sprecher der CDU-Ratsfraktion Ulrich Küpper, der die Podiumsdiskussion leitete.

Hans-Georg Rinke und Frau Tornow zogen für ihre Schule eine positive Bilanz. Die Schiller-Schule, die vor fünf Jahren als erstes Bochumer Gymnasium Inklusionsschule wurde, verfügt von Beginn an über eine gute Personalausstattung, so dass der Inklusionsunterricht in der Regel mit zwei Lehrkräften stattfinden kann. Nur so ist es möglich, auf die individuellen Bedürfnisse der Schüler eingehen zu können.

Von ganz anderen Erfahrungen berichtete Frau Blum-Gaytandjiev, Vertreterin der Grundschullehrer im Verband Bildung und Erziehung. Den Grundschulen steht ein Sonderpädagoge meist nur für einige wenige Stunden in den einzelnen Klassen für die durchgängig gewünschte Doppelbeschulung zur Seite. Die Arbeit der Grundschulen hat sich in den letzten Jahren bereits dramatisch verändert und durch die Inklusion noch weiter verschärft. In großen Klassenverbänden treffen Kinder aus sozial schwachen Familien, Kinder mit Migrationshintergrund, hochbegabte Kinder und nun auch Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf aufeinander - eine Situation, in der die Lehrer keinem Schüler mehr gerecht werden können. Auf der Strecke bleiben die unauffälligen, lernbegierigen und schüchternen Kinder, die einfach nur mitlaufen, weil für sie kaum mehr Zeit bleibt.

Unter anderem aus diesem Grund haben sich die beiden Elternvertreter der Christopherus-Schule ganz bewusst für die Beschulung ihres Kindes an einer Förderschule entschieden. Die Förderschulen verfügen über eine auf die Bedürfnisse der Kinder abgestimmte ausreichende Personal-, Raum- und Sachausstattung. Die Lehrer verfügen über eine spezielle Ausbildung, die es ihnen möglich macht, die einzelnen Förderbedarfe der Kinder zu erkennen und zu decken.
Macus Stawars verwies darauf, dass das Bemühen um eine inklusive Gesellschaft grundsätzlich der richtige Ansatz sei. Allerdings tragen die Schulen aktuell die Last. Sie werden mit der Umsetzung von Inklusion allein gelassen.

 Alle Podiumsteilnehmer waren sich einig, dass Inklusion gesellschaftlich der richtige Ansatz ist. Aber Inklusion muss eine freiwillige Entscheidung bleiben. Es wird immer Kinder geben, die an einer Regelschule nicht ausreichend gefördert werden können. Um ihnen gerecht zu werden, müssen die Förderschulen im Schulsystem erhalten bleiben. An den Regelschulen muss die Klassenfrequenz herabgesetzt werden, den Unterrichtenden muss ein zweiter Lehrer mit sonderpädagogischer Ausbildung zur Seite gestellt werden. Auch die sächliche Ausstattung lässt an vielen Schulen zu wünschen übrig. So muss zusätzliches Unterrichtsmaterial angeschafft werden, um z.B. auch Kindern mit Seh- oder Hörbeeinträchtigung gerecht werden zu können.

Alle Podiumsteilnehmer waren sich einig, dass eine solch große Reform unseres Schulsystems nicht in kurzer Zeit bewerkstelligt werden kann, sondern dass man den Schulen Zeit lassen muss. So muss z.B. die Lehrerausbildung den neuen Erfordernissen angepasste werden. All das braucht Zeit!

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